Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich

Mit einem Rückblick auf die deutsche Geschichte kann man sich nur wünschen, dass Mark Twain mit der Metapher „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich“ nicht Recht behält. Die Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges dürfen sich weder wiederholen, noch in irgendeiner Weise reimen.

„Niemals wieder!“ Das hören jüngere Generationen seit jeher von denjenigen, die das Grauen des zweiten Weltkriegs miterlebt haben. Während wir uns fragen, wie sie solch eine Katastrophe überhaupt haben geschehen lassen können, hoffen wir zugleich verbissen, dass wir den gleichen Fehler selbst niemals machen werden. Aber sind wir wirklich in der Lage extremistische Bewegungen als solche zu erkennen? Der Aufstieg faschistischer Bewegungen folgt meistens gleichen Mustern:

Bei der Reichstagswahl vom 06. November 1932 erlitt die NSDAP massive Stimmverluste und konnte keine absolute Mehrheit erlangen. Die Verhandlungen mit der Zentrumspartei scheiterten, sodass keine Regierung gebildet werden konnte. Ziel Hitlers war ein Präsidialkabinett unter seiner Führung.



Die Neuwahlen vom 05. März 1933 fanden bereits im Schatten einer beginnenden Diktatur statt. Hitlers Wahlziel war eine absolute Mehrheit, die er trotz des starken Stimmzuwachs nicht erreichen konnte. Seine Diktaturbestrebungen erreichte er nur mithilfe der KSWR (Kampffront Schwarz-Weiß-Rot).

Die von dem NS-Regime gezielt organisierten gewalttätigen Übergriffe gegen Juden vom 9. auf den 10. November 1938 gingen als Reichspogromnacht in die dunklen Seiten der Geschichtsbücher ein. Allein in der Zeit vom 7. bis 13. November 1938 wurden rund 400 Menschen ermordet. Diese war nicht – wie die NS‑Propaganda vorgab, die Reaktion auf die Ermordung eines deutschen Diplomaten durch einen Juden, sondern der gezielte Beginn der Judenverfolgung.

Die Verfolgung begann mit der Zerstörung von über 1.400 Synagogen, Betstuben, Versammlungsräume sowie tausenden Geschäften, Wohnungen und jüdischen Friedhöfen und endete in einem an Grauen kaum zu fassenden Genozid an einem der ältesten Völker dieser Welt.


Hitlers „Säuberung“ war ferner die Anordnung politische Gegner und sog. „Feinde des Nationalsozialismus“ zu ermorden.


Die chauvinistische Ideologie manifestiert sich unter anderem in der Sprache, welche die eigene Nation glorifizierte und die Ethnie über andere stellte. Auch die sog. Rassenkunde und weitere „Lehren“ der Nationalsozialisten zielten darauf ab, die angebliche Überlegenheit über andere Ethnien in den Verstand der Bevölkerung einzupflanzen.

Dadurch wurden ethnische Säuberungen im Land und Kriege zur Ausbreitung des sog. deutschen „Herrenvolks“ legitimiert.


Die Gleichschaltung der Presse, sowie die Abschaffung der Pressefreiheit waren Mittel der Nationalsozialisten, um das deutsche Volk mithilfe von Propaganda zu indoktrinieren. Alle Gegenstimmen, die der Ideologie der NS-Diktatur nicht übereinstimmten oder es wagten Widerspruch zu erheben wurden entlassen, vertrieben oder ermordet.
Der Beruf des Journalisten wurde dabei durch das am 4. Oktober 1933 verabschiedete Schriftleitergesetz beschränkt. „Nur wer die rassistische Voraussetzungen erfüllte und als ‚politisch zuverlässig‘ galt durfte publizieren, alle anderen hatten ein Berufsverbot.“
Übrig blieben staatliche und kontrollierte Propagandaapparate.

Damit hatte sich der NS-Staat ein Instrumentarium geschaffen, das die völlige inhaltliche Kontrolle über die Medien gewährleistete.

Hitler berief sich 1939 vor dem Kriegsbeginn in einer Rede auf das Genozid an Armeniern mit der Aussage: „Wer redet heute noch von der Vernichtung der Armenier?“ Auf die Relativierung dieses Völkermords folgte in den nächsten Jahren ein Weltkrieg und Genozid unvorstellbaren Ausmaßes.

Wenn man Mark Twain Glauben schenken darf, dann dürfte dieses in unreinen Reimen geschriebene „Gedicht der Geschichte“ nur ein Mal vorkommen. Tatsächlich weist es aber eine große Ähnlichkeit mit dem islamofaschistischen Größenwahn Erdogans auf. In ihm wird die Perversion des religiösen Fundamentalismusses mit dem ultranationalistischen Führerkult verbunden. Denn heute beruft sich Erdogan auf Hitlerdeutschland und nennt es „ein positives Beispiel für ein gut funktionierendes Präsidialsystem“. Ein Staat, der seinen Genozid und universelle Völkerrechte nicht anerkennt und zusätzlich das NS-Regime verharmlost wird immer eine Gefahr für den Weltfrieden darstellen.
Diese Verharmlosung wird derzeit leider mit der Doktrin „Es ist ja nicht alles schlecht, was die AKP macht, sie wird uns wenigstens die unliebsamen Flüchtlinge vom Hals schaffen.“ unserer Bundesregierung überschattet.

Im Land der Dichter und Denker sollte es uns „Geschichtspoeten“ nicht allzu schwer fallen, den Ausgang des Gedichts vorherzusehen. Wir dürfen nicht zulassen, dass geschichtsvergessene Extremisten unzähligen unschuldigen Menschen erneut das Lied vom Tod (vor)spielen. Es ist unsere historische Bürde, das „Nie wieder!“ unserer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern zu bewahren und weiter zu tragen.
Damals hat der Widerstand in Deutschland leider nicht gereicht, um dem NS-Regime Einhalt zu gebieten. Schließen sich heute jedoch alle demokratischen und freiheitsliebenden Menschen ungeachtet ihrer Ethnie oder Religion zusammen, können wir das Erstarken eines neoosmanischen Islamofaschismus, einen drohenden Genozid und eine riesige Massenvertreibung mit demokratischen Mitteln verhindern!

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