Volksverhetzung an der Universität Paderborn

Was von der Initiative KulTürk an der Universität Paderborn mit dem Referenten Remzi Aru zum Thema „Terror an der türkischen Grenze“ als akademischer Vortrag proklamiert wurde, stellte sich vielmehr als eine populistische Hetzveranstaltung gegen unzählige ethnische Minderheiten, Europa, die Bundesrepublik und die hiesigen Medien dar. Auch blieben antisemitische und antiamerikanische Äußerungen nicht aus. Geworben wurde mit einer „akademischen Informations-Veranstaltung mit Publikumsfragen“, Herr Aru trat jedoch mit einem Aufgebot an Bodyguards und Sicherheitspersonal auf, als würde er eine Rede vor Kriminellen halten. Er informierte nicht, sondern versuchte die Zuhörer wie ein Komödiant zu unterhalten. Dabei bediente er sich keiner Mittel akademischer Differenzierung oder sprachlicher Korrektheit, sondern hetzte gegen alles, was Türkei- oder AKP-kritisch ist und drückte sich so unsachlich aus, wie man es selbst von einem Grundschüler nicht erwartet.
Bei seiner Rede bediente er sich sämtlicher demagogischer Rhetoriken: Polarisierung, Diffamierung, Zensur oder Relativierung, bewusste Verbreitung von Fehlinformationen etc. Dass er sich bei seinen Aussagen selbst widersprach, schien er zu keinem Zeitpunkt zu bemerken.

Diffamierung von Politikern, Medien und des Westens

Einen Großteil der Rede Herrn Arus bestand in der Diffamierung des Westens sowie der HDP, die er als „Kommunisten“ beschimpfte. Er bekannte sich „als Mann, der der AKP sehr nahe steht“, sei aber froh darüber, dass die HDP ins Parlament kommen konnte. Im nächsten Satz war jedoch der Missmut darüber offensichtlich indem er behauptete: „Wenn die HDP etwas im Kopf hätte und sich von der PKK distanziert hätte, dann hätte sie mind. 15-20% von türkischen Spinnern dazu gewonnen.“ In einer späteren Aussage behauptete er, die PKK würde gezielt „Schulen und Krankenhäuser niederbrennen, Lehrer ermorden […], also fast alles […]“ tun, denn – so Aru – die PKK brauche „dumme Menschen, die man einfach beeinflussen kann, keine Gebildeten.“  Wenn man dem Glauben schenken kann, dann ist die PKK für jegliches Übel und alle Probleme in der Türkei verantwortlich und scheint allgegenwärtig zu sein. Auch bestünde ein großer Teil der türkischen Bevölkerung aus Idioten und er sei einzig vernünftig. Diese Inkompetenz unterstellt er auch einer Partei, die vom Volk trotz hoher Hürde von 10% ins Parlament gewählt wurde. „Meine Frau ist Ostdeutsche, ich selber habe ein halbes Jahr auf Kuba gelebt. Ich spreche nicht von Büchern. Ich kenne den Kommunismus sehr genau. […] “ Diese „tiefgründigen“ Kenntnisse scheinen ihn zu einem Kommunisten-Experten gemacht zu haben. Denn so konnte er mit einiger Überzeugung behaupten: „Der Kommunismus ist kein wenig besser als der Hitler-Faschismus.“ Er könne daher nicht nachvollziehen, wie diese Ideologie so viele Menschen anziehen könne. Seiner Meinung nach sollte man alle, die „mit über 30 noch immer Kommunisten sind, einweisen. […] Denen kann nur der Arzt helfen.“
Herr Aru scheint trotz ausgewiesener Kommunismus Expertise nicht zu wissen, welche Lebensgefahren die Ostdeutschen auf sich nahmen, um über die Grenze nach Westdeutschland zu kommen und dem Stasi-Regime zu entkommen. Vielmehr stellte er diese Bemühungen als einen lächerlichen Wunsch der Menschen dar, denen „[…] es vielleicht verboten war eine Cola zu trinken oder in eine Banane zu beißen, […] um irgendwann mal in einem Golf GTI, anstatt in einem Trabi zu fahren.“
Aber auch deutsche Politiker – speziell jene, die sich mit der Frage der Kurden in der Türkei befassen – blieben in seiner Hass-Rede nicht aus. „Es gibt einen Herr Huch, von dem man nicht weiß, was er eigentlich so will und der viele Probleme mit der Justiz hat.“ Das Engagement Huchs für Flüchtlinge versuchte Aru ebenfalls mit Aussagen wie: man solle „sehr genau hinschauen, was mit diesen Geldern [der Spendenaktionen] passiert.“, zu kriminalisieren. Die Flüchtlingsproblematik in Europa nahm einen weiteren Schwerpunkt ein, die Herr Aru gezielt ausnutzte, um konspirative Kritik am Westen, den Medien und den Parteien auszuüben. Er warf Europa geheucheltes Interesse vor. Die Menschen und die Problematik in Syrien hätten erst Relevanz bekommen, als „ein paar Tausend Flüchtlinge“ vor den Türen standen. Vorher sei es lediglich „eine Nachricht zwischen dem Hut der Queen und dem neuen Hund von Obama.“
Er implizierte nicht nur einen anti-westlichen Rassismus, sondern untergrub das hervorragende Engagement tausender freiwilliger, ehrenamtlicher Bürger indem er das Bild eines gefühlskalten und ignoranten Deutschen verbreitete, dem die gute „Zucht und Ordnung“ wichtiger seien als Menschlichkeit und Werte. Denn „für den gemeinen Deutschen gibt es nichts Schlimmeres, als falsch herum zu parken oder den Vorgarten zu zertrampeln.“
Herr Aru nutzte diese Rhetorik, um eine gezielte Polarisierung zu schaffen. So wurde er nicht müde, die vermeintliche Erhabenheit der Türkei gegenüber seinen Nachbarländern und dem Westen in den Vordergrund zu stellen. Aus türkischer Perspektive sei es überraschend, wie „Europa destabilisiert wird, wegen ein paar tausend Flüchtlingen“, wohingegen die Türkei, die umgeben sei von instabilen Staaten und Kriegen, der „einzige ruhende Pol“ ist. „Obwohl von außen Bestrebungen gibt Unruhen in die Türkei hineinzutragen – steht die Türkei mit 80 Mio. Einwohner wie ein Fels in der Brandung.“
Nicht nur diese Überlegenheit war ihm wichtig, auch schreckte er nicht davor zurück die Macht türkischer Politik durch erpresserische Drohungen zu untermauern. „Wenn man die Türkei destabilisieren wollen würde – was sehr schwierig ist – dann wären nicht 3.000 Menschen an deutschen Grenzen, sondern 30 Mio.“. Die Wahl der 30 Mio. ist in diesem Fall nicht willkürlich, denn es ist gerade die Anzahl an Kurden und anderen Minderheiten, die derzeit in der Türkei leben. Im gleichen Zuge unterstellte er den deutschen Bürgern eine morbide Fremdenphobie, da „40% der Bürger augenblicklich an Herzinfarkt [bei solchen Flüchtlingszahlen] sterben“ würden.

Den Medien unterstellte er nicht nur eine Mitschuld an den ausländerfeindlichen Übergriffen durch „Polarisierung“ der Deutschen in eine bestimmte Richtung, sondern zog die hiesige Berichterstattung in Bezug auf den Vorwurf, die Türkei würde IS-Kämpfer über die Grenze zu Syrien schmuggeln, ins absurde. Für diese einfachen Behauptungen gäbe es keine handfesten Beweise “plötzlich werden aus Meinungen und Kommentaren Nachrichten“. Er ergänzte dies mit: „Behauptet ist halb bewiesen. Aber so funktioniere das nicht. […] Die Türkei hat die IS als terroristische Organisation eingestuft, da dachte man in Deutschland, das sei so eine Zeugen Jehova Truppe. […] Diese Behauptung [Unterstützung der IS] ist eine massive Verarsche an die deutsche Bevölkerung.“
Dass die Pressefreiheit der achso gelobten Türkei mit Rang 149 von insgesamt 180 weit abgeschlagen liegt (sogar hinter krisengeschüttelten Ländern wie dem Irak oder Libyen), schien ihn demgegenüber keinesfalls zu stören. Vielmehr spielte er diese kritische Situation, auf kritische Nachfrage zu den Gründen der Inhaftierung von Can Dündar, dem Chefredakteur der größten Oppositionellen Zeitung Hürriyet wie folgt runter: „Die Türkei steht nicht auf Platz 1 der Pressefreiheit. Aber in Amerika sind mindestens genauso viele Journalisten im Gefängnis.“
Seine Hasstiraden gingen auch nach der eigentlichen Veranstaltung weiter, indem er kritische Zuhörer später auf sozialen Medien als „PKK-Groupies“ bezeichnete.

 

Verdrehung von Tatsachen und Verharmlosung von Gefahren

Die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückung von Minderheiten, insbesondere den Kurden bagatellisierte Herr Aru durch absurde Vergleiche und Relativierungen. „Es gibt 38 Minderheiten in der Türkei und alle hatten Probleme ihre Sprache zu sprechen. […] Wenn man nicht nach deren Pfeife tanzte, war man weg vom Fenster. Dass Kurden unterdrückt wurden stimmt, aber es wurden auch alle anderen Menschen Unterdrückt.“ Diese Aussage hätte Herr Aru auch folgendermaßen äußern können: „Den Kurden geht es schlecht. Aber hey. Wir behandeln alle Minderheiten gleich ‚Scheiße‘. Hört also auf euch zu beschweren.“
Im späteren Verlauf der Rede revidierte er sogar die Unterdrückung der Kurden mit „die Türken [haben] keine Probleme mit Kurden“. Selbst der frühere Staats- und Ministerpräsident Turgut Özal sei Kurde gewesen.  Dass gerade dieser nach seiner Annäherung an die Kurden, einem Obduktionsgutachten im November 2012 zufolge, während seiner Amtszeit vergiftet worden war, schien ihm offenbar entfallen zu sein.
Auch auf die Frage, mit welcher rechtlichen Legitimation die türkische Regierung Ausgangssperren über unzählige kurdische Städte verhängt und die Zivilbevölkerung unter Kollektivstrafe stellt, fand er nur folgende konfuse Antwort: „Wenn man irgendwo eine Bombe hochgehen lässt kann man nicht von Unterdrückung sprechen. In Deutschland würde man auch nicht behaupten, dass man unterdrückt wird, weil man über rot gefahren ist.“ Im Gegenteil, er sah es als einen Fehler an, dass nicht schon viel früher in dieser Weise eingegriffen worden ist, statt diplomatische Gespräche zu führen. Dieses Vorgehen untermauerte er mit einem perfiden Lob an der Politik Israels.
„Da [Israel] würde kein einziger Soldat sterben, da würden von oben eine Bombe kommen und alles plätten. Dann gäbe es paar tausend Tote und vlt. hätten Einige Nasenbluten […]“ Nicht nur scheint ihn der Tod von „ein paar tausend“ Menschen nicht zu bekümmern, er heißt solche Massaker vielmehr gut und unterstellt der israelischen Regierungn gleiche Motive.

Im Kontrast hierzu entgegnete er bei der Frage nach den konkreten Vorgehen der Türkei gegen IS-Terroristen (deren Aufenthalt und Handeln innerhalb der Türkei den Geheimdiensten bekannt ist) mit man dürfe nichts unternehmen, weil die Türkei ein Rechtsstaat sei und sie „selbst diese Leute [IS-Terroristen] nicht ohne weiteres festnehmen“ könne. Ungeachtet der zahlreichen und konkreten Warnhinweisen der Geheimdienste führte diese Untätigkeit der türkischen Regierung keine 24 Stunden später, am 12.01.2016, zu einem Selbstmordanschlag in Istanbul gegen Touristen, der 10 Deutsche mit in den Tod riss.
Im Gegenteil, er schien Europa für den offenbaren internationalen Terrorismus verantwortlich zu machen, denn – so Aru – „ein Hauptproblem mit den Kämpfern der Daesch  kommt aus Europa heraus.“ Auch die Untätigkeit der Türkei liege an „den Herrschaften aus Europa“, da diese nicht mit der Türkei kooperieren, denn ähnlich wie der Staatspräsident Erdogan während des G-20 Gipfels in der Türkei formulierte, gäbe es aus der Sicht Europas „gute und schlechte Terroristen“. Während Herr Aru zuvor behauptete, die Türkei habe als erster Staat die Gefahr durch den IS erkannt, zeigte er durch das bewusste Durcheinanderwerfen von  IS, Yeziden, PKK und Assad eine kaum zu übertreffende demagogische Verblendetheit. Aus türkischer Perspektive seien weit mehr Menschen durch Assad umgekommen, als durch den IS. Und die PKK, die „sich hauptsächlich aus Yeziden rekrutiert“ sei „mit Abstand die blutigste Terrororganisation weltweit“. Vielmehr sei es eine Zumutung und man müsse der Türkei dankbar sein, dass sie so viele geflüchtete Yeziden aufgenommen habe. Mit dieser Aussage verdreht Herr Aru auf perfide Weise Täter und Opfer und verunglimpft die Yeziden, an denen in ihrer Geschichte mehrere Genozide verübt wurden und die Opfer von jahrzehntelanger Verfolgung und Unterdrückung sind als einen „Haufen Terroristen“. Diese Meinung scheint jedoch scheinbar auch die AKP-Regierung zu vertreten und erklärt den Recherchebericht von Amnesty International, demzufolge der Türkei vorgeworfen wird „Flüchtlinge [Yeziden] illegal zu inhaftieren, von ihren Familien zu trennen, in Isolationshaft zu halten, körperlich zu misshandeln, zu bedrohen und nach Syrien abzuschieben […] in eine vom islamistischen Ahrar al Sham Miliz kontrolliertes Gebiet.“
Um seine abstruse Relativierung und Gefahr durch das IS zu bagatellisieren erklärte Herr Aru, er habe mit ein paar IS-Kämpfern über soziale Medien kontaktiert und „denke, dass sie genauso gestört sind wie die PKK. Auch die müssen zu Onkel Doktor, vorher muss man sie einfangen, bevor man sie einweisen kann.“

 

Fazit

Die Initiative KulTürk lud mit ihrer Veranstaltung einen Demagogen ein, der zum Publikum wie ein Hassprediger zu seiner Gemeinde in einer Moschee sprach, mit dem Unterschied, dass dieser an der Universität Paderborn und unter dem Deckmantel eines kritischen Diskurses, Sachlichkeit und mit akademischem Niveau statt fand. Herr Aru instrumentalisierte Emotionen und Vorurteile der Türken gegenüber dem Westen und Minderheiten in der Türkei, um eine Hetzideologie zu verbreiten, die bei einigen Zuhörern durch lautstarken Beifall auf fruchtbaren Boden fiel.
Zur Frage nach der wissenschaftlichen Informationsbasis und Quellen der Argumentation und Zahlen lieferte Herr Aru keine Antworten. Kritische Fragen spielte er ab mit herablassenden Aussagen und Falschinformationen. So behauptete er auf die Frage, warum die Immunität der vom Volk gewählten HDP-Abgeordneten sowie BürgermeisterInnen im Osten der Türkei aufgehoben werden soll, es sei nicht verwunderlich, denn „wenn jemand auf einmal mit Panzerfäusten im Kofferraum auftaucht. In Deutschland würde man auch nicht so weit kommen.“
Seine Rhetorik ähnelte in vieler Weise dem von Staatspräsident Erdogan, denn auch dieser warf den Deutschen vor, PKK Kämpfer in Deutschland zu behandeln und sie in „ARD oder Monitor“ auftreten zu lassen. Denn es scheint für sie „gute und schlechte Terroristen“ zu geben. Zwar verneinte Herr Aru die Unterstützung des IS durch die türkische Regierung – ebenso wie Erdogan -, allerdings ist es kein Geheimnis, dass diese mit anderen islamistisch-terroristischen Organisationen wie der Ahrar al Sham, der Al-Nusra und der Hamas kooperiert. So liegen laut der ARD-Sendung Monitor der deutschen Regierung geheime Dokumente vor, aus denen eindeutig hervorgeht, dass seit 2014 die Türkei diese Terrororganisationen mit Waffen beliefert. Es sind jene Terroristen, denen zahllose Menschenrechtsverletzungen wie die „Geiselnahme von Frauen und Kindern, Rekrutierung und Folter von Kindern sowie Tötung von Zivilisten“ vorgeworfen wird und die eine Ideologie verfolgen, ähnlich dem der IS.

Aru ist entweder ideologisch verblendet und glaubt diese unsinnigen Aussagen, oder aber er ist in Kenntnis der Unrichtigkeit seiner Aussagen zum Jünger Erdogans und der AKP geworden, weil er persönlich enorm durch die Propaganda profitiert. Beides ist jedenfalls sehr gut vorstellbar.
Leute wie Aru eignen sich weder zu einem lockeren Talk und erst Recht nicht als Dozent an der Universität. Letztere soll ja gerade zu differenziertem und kritischem Denken anregen!
Aru vergiftet die Disskusionskultur in Deutschland, weil seine Reden unsachlich, undifferenziert, hetzerisch und ohne Belege sind. Er vergiftet auch das politische Klima der in Deutschland lebenden Bevölkerungsgruppen und vertieft dadurch eine Spaltung der Gesellschaft.

2 Kommentare

  1. Arzu ist der größte Faschist überhaupt!
    Alles Böse liest man in seinen Augen…

  2. Ich finde es unglaublich das in ein demokratischen Land wie Deutschland Menschen öffentlich gegen Minderheiten und anders Denkende hetzen kann!!
    Die Minderheiten müssen sich auch im Exil fürchten vor allem weil die Deutsche Regierung die ermordung der Kurden hinnimmt und sich wegen der flüchtlings Situation von der Türkei erpressen lässt!
    Mhp eine neo faschistische Partei der Türkei „Schwesterpartei der Npd“ hat hier fast 280 eingetrage Vereine in Deutschland!!
    Nur was Deutschland nie berechnet hat ist das 60 Prozent in Deutschland lebenden Türken keine Türken sondern Kurden mit türkischem Ausweis ist!!

    Sollte zum nachdenken erregen !!
    Danke

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